Frank Greubel, bekannter Darsteller bei den Sömmersdorfer Passionsspielen, brachte durch seine Impulse, Gedanken, Provokationen und sein eindringliches „In-Szene-Setzen“ des Judas allen Zuhörern die vielfältigen Facetten dieses unbequemen Begleiters Jesu zum Ausdruck. „Ich bin doch einer von euch!“, fast wie ein Hilferuf zog sich diese Selbstaussage Judas durch die Szenen. Beeindruckend das laute Lamento „.. durch meine Schuld..“ am Ende, das die bis heute offene Frage der Schuld Judas auf den Punkt brachte. Die Zerrissenheit und Selbstzweifel des überengagierten Kassenverwalters Judas waren immer wieder Thema. „Was wäre wenn ich es nicht getan hätte?“ diese Frage formte eine besonders verdichteten Moment des Abends. Auch hier musste jeder seine eigene Position und Antwort finden. Das lebendige Bild des Menschen Judas, das Frank Greubel in den Kirchenraum allen nahe brachte, konnte dabei eine Hilfe sein. „Nennt mich nicht Freund, nennt mich Judas!“ der Wunsch Judas stand eindrucksvoll und lang nachhallend im Raum.
Der Chor Consonare bot mit Kompositionen aus dem 16. Jhd. zu Beginn und mit 6 eindrucksvollen Bachchorälen zum „Ausklingen“ ein musikalisches „Bett für die Seele“, das den schwierigen und herausfordernden Gedanken Halt und einen emotionalen Platz bot.
Der langanhaltende Applaus und die anschließenden Begegnungen im Gottesdienstraum zeugten davon, dass dieser Abend, bei aller Sperrigkeit, als ein „gelungenes Experiment“ des Veranstalters Katholische Erwachsenenbildung Schweinfurt und Evangelische Bildungswerk Schweinfurt gewertet werden darf.
Der ganze Abend ist auch im Video nachzuerleben.
Joachim Werb